Seite 1 von 2
#1 Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von Sue 04.09.2006 09:05

Die politische Einstellung der Cartharer kann und ist wahrscheinlich auch regional unterschiedlich.
Innerhalb einer Domäne erschließt sich sehr schnell, warum der Bund zusammen hält, doch wie sieht es überregional aus? Warum sollte eine faschistisch geprägte Bewegung mit einer kommunistisch geprägten Bewegung 50 km weiter, zusammenarbeiten? Welche Verbindung besteht da?
#2 Re: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von raben-aas 05.09.2006 09:56

Die Carthianer (Achtung! Schreibweise) glauben nicht an fundamentale Wahrheiten, sondern Prozesse. Nicht umsonst heißt der Bund die Carthianische BEWEGUNG.

Mit anderen Worten: Niemand behauptet, die ultimative Antwort auf alle Fragen vampirischer Politik gefunden zu haben: Jemand hat eine Idee, stellt sie vor und diskutiert sie mit anderen - ja, auch sehr leidenschaftlich, und oft ohne Konsenz - und entwickelt sie weiter.

Jedes Mitglied der Carthianischen Bewegung weiß, dass es diese Bereitschaft zum Reden, Diskutieren und Nachdenken über Alternativen ist, die den Bund von anderen unterscheidet.

Wenn die Carthianische Bewegung in einer Domäne zerstört wird, kommt in jener Bewegung nicht nur die Carthianische Bewegung, sondern JEGLICHE Bewegung zum Stillstand (die Carthianer betrachten das Fürst-wechsel-dich-Spiel nicht als Bewegung: Es werden nur die Namen der Machtinhaber gewechselt, das System bleibt im Kern gleich).

Die Carthianer wissen, dass ihre Bewegung Feinde hat. Und sie wissen, dass diese Feinde immer "frecher" und ungehemmter in der Verfolgung der Carthianischen Bewegung werden, je mehr diese an Boden verliert, je unwichtiger sie ist (genau wie bei jedem Bund, letztlich).

Die Motivation, sich überregional auszutauschen und zu unterstützen, ist für Carthianer noch wesentlich stärker als für irgend einen anderen Bund. DENN:

- Je mehr unterschiedliche Meinungen in einem Dialog (auch per Forum) präsent sind, an desto mehr Kanten und Klippen kann die eigene Ansicht getestet und diese weiterentwickelt(!) und verfeinert werden.

- Je mehr Unterstützung von außerhalb zusammengezogen werden kann, desto mehr Hemmung wird der (meist in der Macht befindliche) Invictus haben, die Carthianer zu verfolgen und auszurotten.

Zum Schluss sei erwähnt, dass nicht JEDER Carthianer politisch aktiv ist! Die Carthianer bieten als der Bund mit den wenigsten Zwängen auch eine Anlaufstelle für viele junge Vampire, die keine Lust haben, sich versklaven zu lassen. Unter den Carthianer befinden sich ebenso auch Götzendiener, Forscher in okkulten Wegen, von der Doktrin der Lancea abweichende Gläubige etc.

Und: Bitte vergesst beim Carthianer-Spiel die alten politischen Grenzen von Nazis gegen Kommunisten!!!

Es geht bei den Carthianern um VAMPIRISCHE Politik! Natürlich gibt es hierbei Spielweisen der menschlichen "Vorbilder" ("Das Blut der Domäne ist für alle da"), aber diese sind sich innerhalb der Carthianer nicht unbedingt spinnefeind, da ihnen der betreffende Hass-Clash fehlt.

Ein kommunistisch geprägter Carthianer mag sich endlos mit dem Carthianer, der jede zentrale Domänenkontrolle ablehnt, engagiert unterhalten und auch streiten. Für gewöhnlich werden diese aber nicht mit Messern aufeinander los gehen.

Dafür ist der "äußere Feind" (die Stagnation des monarchischen Systems des Invictus und der "Allianz" von Invictus und Lancea) zu wesentlich.
#3 Re[2]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von Ceridan 13.09.2006 11:01

Ich finde die Frage ehrlich gesagt überflüssig, da man sich genauso fragen kann warum sollte der Invictus oder die Lancea Sancta aus unterschiedlichen Domänen zusammenarbeiten?

Die Antwort ist zum wiederholten Male Charakterabhängig. Generell besteht immer ein allgemeines Interesse/Gemeinsamkeit zwischen den Bünden der unterschiedlichen Domänen. Doch gerade daraus kann doch auch ein Konflikt enstehen der wesentlich interesanter ist als ein koexestieren.

Ein Beispiel das andere Bünde (hierbei LS) trotz einem höheren Ziel nicht zusammen arbeitet sind für mich die Domänen Berlin und Lübeck.
In Berlin ist hierbei eine gemässigte LS vertreten (ich spare mir nähere Ausführungen/Vermutungen)
Während in Lübeck eine Gruppe von Hardlinern in der Lancea Sancta sitzt die gerne die "Hexenverbrennung" wieder aufnehmen wollen.
Die Streiterein die dadurch entstanden sind, sind einer der interessantesten Plotansätze meines Charakters.
#4 Re[3]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von raben-aas 13.09.2006 11:20

Wobei ich diesen konkreten Konflikt nicht verstehe.

Mind me: Ich WÜRDE es verstehen, wenn eine LS-Fraktion von Hardlinern wie die in Lübeck mit einer gemäßigteren LS-Fraktion wie der in Berlin (wobei es hier neben der gemäßigten auch noch ne Hardliner-Fraktion gibt, aber das ist ein anderes Thema) clashen würde.

Aber soweit ich den Clash verfolge, geht es doch gar nicht um jene Variationen in den LS-Ansichten (offen gesagt weiß ich gar nicht, um was es geht).

Sollten wir ggf. im LS-Bereich weiterbesprechen. Würde ich nämlich wirklich gerne kapieren, nicht um den Clash zu beenden, sondern um ihn "auf die richtigen Füße zu stellen". Also was Solides zum Zoffen zu haben
#5 Re[4]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von Ceridan 14.09.2006 11:01

Um nocheinmal auf den ersten Post zurückzukommen... Was schließt denn kommunismus und faschismus von einander aus? Meiner Meinung nach garnichts...
#6 Re[5]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von raben-aas 14.09.2006 14:27

Im Parteiprogramm direkt nichts. Aber beide Bewegungen betrachten sich als Extrempositionen an verschiedenen Positionen des politischen Spektrums. Das ist das, was ich mit "historische Hass-Clashes" meinte, die sterbliche Anhänger jener Politiken haben, aber Vampire nicht unbedingt.
#7 Re[6]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von Ceridan 14.09.2006 14:49

Aber es sind ja überhaupt keine verschiedenen Extrempositionen... Und wenn man sich mal die Historie ansieht haben die Faschisten lange Zeit mit den Kommunisten Hand in Hand gearbeitet. Man kann schließlich beides gleichzeitig sein.

Meiner Meinung wären die verschiedenen Extrempositionen eher Kommunisten und Kapitalisten, Faschisten und Liberale.
#8 Re[7]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von Miroque 25.10.2006 23:09

Mal eine weitere frage, ist es in anderen domänen auch der fall das die spieler intime immer carthianischer werden. unser fürst beispielsweise wurde durch eine wahl entschieden und gibt den posten einfach nich auf (sie macht das ja auch gut).

aber die kinder beschließen immer mehr auf "carthianische art" was seltsam is denn sie sind alle freie XD die einzigen beide carthianer sind weg.
#9 Re[8]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von raben-aas 26.10.2006 12:09

Kann ich bisher bei Requiem nicht beobachten, ich kenne das Grundproblem aber von Maskerade. Auch dort tendieren Fürsten und andere Vampire, die an sich keinerlei Interesse oder Verständnis für demokratische Prinzipien haben dazu, sich per Abstimmungen, Wahlen oder Gesetzestexten/Verfassungen festnageln und die Butter vom Brot nehmen zu lassen.

Ich denke, dies ist darin begründet, dass (a) die Spieler natürlich demokratisch erzogen wurden und diese Art der Regierungsführung als "natürlich" betrachten, dass (b) viele Darsteller von Fürsten und Ahnen Anngst haben, untergeordneten Charakteren "unfair" auf den Schlips zu treten und sich somit als Spieler offplay unbeliebt zu machen und dass (c) heute keiner mehr den Arsch in den Hose hat, unpopuläre Entscheidungen inplay oder offplay einfach durchzudrücken.

Wann immmer das Problem auftaucht - früher bei VtM oder ggf. zukünftig bei VR - versuche ich, dem fraglichen Spieler ins Gewissen zu reden und ihm Bücher oder Filme zu empfehlen, die ihm das Verständnis dafür vertiefen helfen, welche Geisteshaltung für ein Kind seiner Zeit "realistisch" ist oder warum die Gesellschaft der Vampire eben so (undemokratisch) funzt und nicht anders.

Mit die besten Erfahrungen habe ich dabei mit dem Vergleich zu Gefängnis-Insassen gemacht, die - wie die Vampire - einerseits zu Gewalt und Grausamkeit fähig sind, zum Zweiten durch Stärke dominiert werden, zum Dritten einander nicht unbegrenzt aus dem Weg gehen können ("Schicksalsgemeinschaft") und unter denen Viertens jedes Zeichen von Schwäche (auch Kompromissbereitschaft) sofort zum Absturz und zur Ausgrenzung führt - mit LEBENSBEDROHLICHEN Folgen!
#10 Re[9]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von Ceridan 30.10.2006 10:52

Dieses Carthianische Verhalten konnte ich ebenso beobachten. Ich führe es allerdings "nur" auf demokratische erziehung und unerfahrenheit zurück.

Da in Lübeck mehrere Runden gleichzeitig gestartet sind konnte ich unterschiedliche Seiten kennenlernen. Solange die Carthianer nicht an der Macht waren waren beinahe alle Demokraten (folgten den Carthianischen Geist ohne überzutreten zum Bund) selbst Invictus und Teile der LS.

In einer anderen Chronik waren die Carthianer von Beginn an an der Macht und alle anderen Bundmitglieder verachten die Demokratie und fast jeder Carthianer verrät seine Ideale zu gunsten von Macht.

Für mich eine sehr interesante Erfahrung diesen "Lobbyismus" zu beobachten.
#11 Re[10]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von raben-aas 30.10.2006 15:59

Klingt in jedem Fall extrem spannend.

Magst du etwas mehr ins Detail über die Runden generell und die Unterschiede der Bünde/des Plays innerhalb derselben gehen?

Merci im voraus!
#12 Re[11]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von Miroque 01.11.2006 10:26

ja da würden mich details aus sehr interresieren. ^^

aber ich habe das thema carthianisches verhalten mal intime zum gespräch gebracht. mir scheint es liegt tatsächlich nur an der demokratischen erziehung der spieler. außerdem scheinen die spieler die von VtM zu VR gewechselt sind noch zu sehr in diesem "entweder sabbat, camarilla oder was anderes" drin zu sein und haben dieses "bundsverhalten" noch nicht angenommen, daher wollen sie anscheinend lieber frei bleiben. darunter leider auch der fürst, was die domäne ingame natürlich als schwach erscheinen lässt.
denn:
mann bedenke das ein fürst der sich nicht auf den rückhalt seiner bundbrüder und schwestern verlassen kann sehr viel angreifbarer ist als ein fürst der z.b. auf den "zusammenhalt" eines bundes zurückgreifen kann.
#13 Re[12]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von raben-aas 01.11.2006 10:35

Hm. Das scheint mir ein (relativ) leicht überbrückbares, weil völlig inplay gestaltbares "Problem" zu sein:

Wenn der Fürst bei euch inplay alleine steht, sollte einer beliebigen Gruppe der Gedanke schmackhaft zu machen sein, dessen Position zu übernehmen und den Fürsten zu stürzen.
#14 Re[13]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von Ceridan 15.11.2006 09:31

Ok... (war lange Zeit nicht mehr hier) Details.

Gliedern wir dazu die erste Runde auf (Opusrunde Lübeck) Diese Runde begann mit einen Invictusoberhaupt und der Invictus war ganz klar dominierend in der Runde da er ebenfalls ein Bündnis mit der LS hatte. Die CB war ebenfalls offiziel vertreten und von der Mannstärke waren alle drei gruppen ungefähr gleich groß. Dann gab es noch unzählige Freie ungefähr 1+1/2 mal so groß. Und ein paar versteckte Ordo Dracul und Mutteranhänger die in der Domäne unerwünscht waren.

Lange Rede kurzer Sinn die ersten Aktionen der Freien war sich zusammenzuschliessen und einen Sprecher der sie vertritt zu bestimmen (mMn ganz klar Carthianisch) und die restlichen Spieler versuchten als erstes den Bischof und den Fürsten zu töten. Das gelang auch teilweise durch den Orgaplot verschwand der Fürst und durch die Spieler wurde der Bischof getötet und der Präfekt abgesetzt. Neue Führer wurden in jedem Bund (ausnahme LS) gewählt ja der Invictus bestand sogar auf eine Wahl um einen neuen Führer der Domäne zu bestimmen.
ok grober überriss...

die zweite Runde

Wieder gibt es die 3 anerkannten Bünde, ob es noch andere gibt keine Ahnung spiele einen frischerschafften Vampir dadrin.
Startsetup war ein gänzlich anderes da von vornherein 6Gilden geschaffen wurden 5 der Gilden waren Monoclangilden. So bildeten die Mekhet die LS, die Daeva den Invictus. Im Carthianischen Bund der Herscherschicht waren drei Gilden vertreten die Ventrue als Kaufleute, die Nosferatu als Freimaurer und die Gangrel als Vitalier. Dann gab es noch eine sechste Gilde die Dead Rats eine gemischte Gruppe von drei Freien. Geführt wird die Domäne vom Senat (jeder freigesprochene Carthianer ist Senator, man braucht einen Senatsbeschluss um freigesprochen zu werden). Das allererste was hier geschah war das sich die hälfte der Carthianer als Doppelagenten für die anderen Bünde anbot und die andere hälfte sich als Doppelagenten für andere Gilden innerhalb des Bundes anbot. Alles ist gespickt mit Verrat... und vorallem wenig Demokratie, viel Faschismus ;-)

So brauche genauere Fragen
#15 Re[14]: Warum sollten Cartharer zusammenhalten? von raben-aas 15.11.2006 14:46

Die Frage nach Details zu den Runden bezog sich ja gerade auf ein Statement von dir:

"Da in Lübeck mehrere Runden gleichzeitig gestartet sind konnte ich unterschiedliche Seiten kennenlernen. Solange die Carthianer nicht an der Macht waren waren beinahe alle Demokraten (folgten den Carthianischen Geist ohne überzutreten zum Bund) selbst Invictus und Teile der LS. In einer anderen Chronik waren die Carthianer von Beginn an an der Macht und alle anderen Bundmitglieder verachten die Demokratie und fast jeder Carthianer verrät seine Ideale zu gunsten von Macht. Für mich eine sehr interesante Erfahrung diesen "Lobbyismus" zu beobachten."

Insofern bist du uns gegenüber im Vorteil, da du den unmittelbaren Vergleich hast, wie Carthianer sich bei unterschiedlicher Spielweise/Besetzung/Domänenhintergrund verhalten.

Was genauere Berichte zu den einzelnen Runden ansonsten angeht, stellt sich mir die Frage, ob es mittelfristig Sinn macht, in Lübeck 2 Requiem-Runden parallel zu haben (das sage ich nicht zuletzt deshalb, weil wir in Berlin fast ein Dutzend Maskerade-Runden haben, die aber inzwischen ein bisserl in Neurekrutierungs-Schwierigkeiten kommen, da Live-RPGs und auch das Thema "Vampir" weniger populär ist als etwa Mitte der Neunziger).
Xobor Ein Xobor Forum
Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz